Gute Presse zum MLP-Skandal

Wie gestern von uns vorausgesagt, beschränken sich die Medien bei der Berichterstattung auf das Durchreichen der geschmeidigen dpa-Meldung, am ausführlichsten anscheinend das manager-magazin.

Kommentare verkneift man sich, obwohl der Blödsinn, der verzapft wird, eigentlich kaum zu ertragen ist:

Schon die Formulierung, Termühlen müsse nicht vor Gericht, ist irreführend: Über die Verfahrenseinstellung gegen Geldzahlung HAT EIN GERICHT ENTSCHIEDEN. Und hat hierzu zweieinhalb Jahre gebraucht.

Trotz seiner Einwilligung zur Zahlung des Betrags besteht Termühlen weiterhin darauf, dass er sich keinerlei strafrechtlicher Verfehlungen schuldig gemacht habe. Dann hätte er wohl kaum einen Anlass zur Zahlung gehabt, sondern hätte sich frei sprechen lassen oder auf eine Einstellung nach § 170 Abs.2 StPO bestehen können. § 153a StPO geht von Schuld aus.

“Wir haben mehrere Gutachten vorgelegt, dass die Bilanzierungs-Darstellung in Ordnung ist”, sagte ein MLP-Sprecher. Tolle Gutachten:

  • Zwei der angefragten Gutachter machten unter Angabe fadenscheiniger Gründe einen Rückzieher.
  • Der erste Gutachter, der sich dann doch für MLP verwandte, war selbst MLP-Aktionär sowie Ex-Dekan der Universität Mannheim, die gerade für 750.000,- DM einen “Manfred Lautenschläger-Hörsaal” und ein “MLP-Forum” bekommen hatte.
  • Über den zweiten Gutachter möchten wir uns gegenwärtig nicht äußern.
  • Für den dritten Gutachter zahlte sich sein Kontakt aus: Er durfte seither die reguläre Bilanz von MLP testieren.
  • Die Gutachten betreffen nur die Bilanzierungen der einzelnen Konzerntöchter etc. Eine von der SDK geforderte Gesamtbilanzierung hat MLP ohne überzeugende Gründe stets abgelehnt. Genau hier lag aber der eigentliche Witz des Bilanzskandals!
  • Selbst ein MLP-freundlicher Gutachter wurde von einem Magazin (falsch?) zitiert, er halte eine bestimmte fehlende Angabe für erforderlich - was MLP dazu veranlasste, dieses (falsche?) Zitat des eigenen Gutachters verbieten zu lassen.
  • Der Gutachter, der die umstrittene Bilanz ursprünglich testiert hatte, wurde auch für die Testierung einer anderen umstrittenen Firma kritisiert, deren “Steuersparmodell” laut OLG Köln 2001 als “Schneeballsystem” bezeichnet werden durfte.
  • Das Manager Magazin hat guten Grund, MLP sanft anzugehen: Fünf mal hatte es MLP zum “Unternehmen des Jahres” gekürt. Uns liegen inzwischen Insiderinformationen vor, wie es zu dieser großzügigen Bewertung gekommen ist.

    4 Reaktionen zu “Gute Presse zum MLP-Skandal”

    1. MLPblog.de » Blog Archive » 170 Haftbefehle gegen Manager!!!

      […] Unseren Kommentar zur Agenturmeldung und den einwandfreien Bilanzen siehe hier. Tags: Bilanzskandal, PR, wirtschaftskriminalität […]

    2. Watchblog zur MLP AG » Blog Archiv » Landgericht Hamburg: MLP-organization not criminal

      […] Hierzu ist anzumerken, dass der Verdacht auf Insiderhandel nicht Termühlen, sondern dessen Kollegen B. betraf. Tatsächlich hatte es sich damals nicht um ein bloßes “Ermittlungsverfahren gehandelt, vielmehr war Termühlen sogar vor Gericht angeklagt worden. Die Verfahren wurden inzwischen gegen Zahlung von Geldauflagen nach fünfjähriger Ermittlungsdauer und einem nach Anklageerhebung eingeleitetem zweieinhalbjährigen Zwischenverfahren eingestellt. Die insgesamt drei Angeschuldigten hatten sich also nicht von den Vorwürfen entlasten können. […]

    3. Mein-Parteibuch.com » Mundo VuLt DeciPi

      […] Inzwischen wurde das Strafverfahren gegen die Ex-Führungskräfte gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt - unter seltsamen Umständen. […]

    4. Watchblog zur MLP AG » Blog Archiv » Did MLP fake its balance sheets? Never!

      […] is MLP’s mantra to refer to its strange expertises. We deliver now a translation from this article of the former german mlpblog: Two of the inquired experts stopped their work under strange […]

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