Mythos MLP

langer manfred1996 veröffentlicht Manfred Lautenschläger ungebeten seine Memoiren unter dem selbstbewussten Titel „Mythos MLP“. Ghostwriter ist ausgerechnet ein Gewerkschaftsfunktionär, obwohl Finanzvertriebe durch Outsourcing das klassische Angestelltenverhältnis von Versicherungsvertretern unterlaufen - Handelsvertreter haben keine Gewerkschaft, keine Mitbestimmungsrechte und bekommen nach ihrem Marktversagen kein Arbeitslosengeld.

Ohne allzu große Scham rechnet Lautenschläger mit seinen ehemaligen Geschäftspartnern öffentlich ab. Insbesondere distanziert sich der Milliardär nun von seinen einstmals linken Jugendsünden und verspottet Alt-68er.

Lautenschläger spart nicht mit Kritik an den Geschäftsmethoden seiner Mitbewerber, namentlich Carsten Maschmeyer (AWD), Reinfried Pohl (Deutsche Vermögensberatungs AG), Bonnfinanz sowie OVB, denen er die Bezeichnung “Drücker” angedeihen lässt - obwohl sich die Konkurrenz von MLP eher kosmetisch unterscheidet. Im Gegenteil werden Verbraucherschützer Lautenschlägers Mitbewerber vereinzelt sogar als besser einstufen.

Die Heidelberger Jahre, die “Schulungen” durchs Kabarett, die politischen Debatten, die 68er Erfahrungen haben mir eine gehörige Portion an gesundem Mißtrauen gegen alle Arten von Skrupellosigkeit eingeimpft, meine Abneigung gegen jedwedes Abzockertum verstärkt.

Insbesondere kritisiert der Milliardär seine Mitbewerber für ihre engen Kontakte in die Politik – die Lautenschläger später ebenfalls suchen wird, was sich in der Stunde der Not auszahlen wird.

Ausgiebig betont Lautenschläger seine bodenständige Bescheidenheit, erwähnt jedoch nicht, dass sich die MLP-Spitze hedonistische Allüren wie exotische Tagungsorte, legendäre Partys sowie einen Fuhrpark an Funcars leistet. Nachdem MLP-Chef Termühlen als neue “Dienstwohnung” das pompöse Schloss Nehmten in Schleswig-Holstein bezieht, wird dem Pendler ein eigens angeschaffter Learjet nebst Flugbereitschaft („Vergnügungsbomber“) gestellt werden – dessen für Akquisition unsinnige Existenz den Aktionären in der Firmenbilanz ebenfalls jahrelang verschwiegen wird.

Das an Banalitäten reiche Buch wird von der Presse höflich ignoriert und kommt über eine Startauflage nicht hinaus, die zum Großteil an MLPler verschenkt wird.

Lautenschlägers selbstverliebte Autobiographie erscheint zu früh: Sechs Jahre später werden die Zeitungen mit ungleich interessanteren Schlagzeilen aufwarten:

  • Denver und Dallas in Wiesloch (Focus)
  • Die wahre MLP-Story (Börse Online)
  • Londoner Liebesnächte (Der Spiegel)
  • Wieslocher Provinzposse geht in neue Runde (Börsenzeitung)
  • Schmierenkomödie nähert sich dem Ende (Manager Magazin)
  • Neuer Schummel-Verdacht bei MLP (Focus)
  • Der Leidensweg der MLP (ARD Börse)
  • Die Geheimniskrämer von Wiesloch (Süddeutsche)
  • An MLP verzweifeln nicht nur die Aktionäre (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
  • MLP muss Strafe zahlen (Frankfurter Rundschau)
  • Im Sog der Krise (Focus Money)
  • Staatsanwalt ermittelt gegen MLP-Gründer (Süddeutsche)
  • “MLP-Aktionäre wurden getäuscht” (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Kurzfassung von Mythos MLP.

Bilder: MLP/Campus-Verlag; R.Hesse.

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