Börsengang
Obwohl er sein Unternehmen 1984 in eine Aktiengesellschaft umwandelt, belässt Lautenschläger die gewachsenen mittelständischen Strukturen. Zwei Wochen vor dem Börsengang 1988 wechselt Lautenschlägers Stellvertreter und Kronprinz, Jochen Aymans, überraschend trotz seiner 25%igen Firmenanteile in die Versicherungswirtschaft, wo er es zum Vorstand des Gerling-Konzerns bringen wird. Niemand hat eine Erklärung für Aymanns Entscheidung, selbst Lautenschläger zeigt sich in seinen Memoiren noch Jahre später verwundert.
Der Börsengang wird ein voller Erfolg. Getreu Lautenschlägers Motto gibt es “no way but up” setzt die Aktie zu einem erstaunlichen Höhenflug an. Im Oktober 2000 wird der Kurs sagenhafte 33.000% des Ausgabewertes betragen. Auf die Ursachen zu dieser Marktbewertung wird noch einzugehen sein.
Statt an Aymans übergibt Lautenschläger schließlich die Firmenleitung an den Geschäftsstellenleiter Bernhard Termühlen, der privat im großem Stil mit geliehenem Geld erfolgreich mit der rasant steigenden MLP-Aktie spekuliert hat. Der promovierte Ingenieur verfügt ebenfalls über keine spezifische Ausbildung, die ihn für die Führung eines Konzerns qualifiziert, wird jedoch von Lautenschläger seiner Schwimmkünste gerühmt. Termühlen gilt als harter Erfolgsmensch, erfreut sich jedoch innerhalb der Firma eines gewissen Charismas. Da viele MLPler selbst mit MLP-Aktien spekulieren, deren Werte sich vervielfachen, ist die Stimmung euphorisch. Sowohl um Aufsichtsrat Lautenschläger wie um Vorstandsvorsitzenden Termühlen entsteht eine Art Personenkult. Jahre später wird Termühlen bei einer Krisen-Pressekonferenz in der Kommunikation spektakulär versagen - obwohl MLP ausgerechnet mit Rhetorikseminaren um Kundenkontakte wirbt.
Aufdringliches Rhetorik-Seminar (auf Seite 8 scrollen)