Quasi-Strukturvetrieb

Musikvorschlag: Manfred Mann´s Earth Band - Blinded by the Light

Das Geschäftsmodell mit der als elitär umschmeichelten Zielgruppe geht auf und ermöglicht ein rasantes Firmenwachstum. Empfindet Lautenschläger das Vermitteln von Versicherungen anfangs noch als degoutant und fürchtet um die ausbleibende Achtung seiner Eltern für diese Karriereentscheidung, so führt der einsetzende Geldstrom zu einer unternehmerischen Euphorie. Auch in anderen Städten werden Dependancen eröffnet, sogenannte Geschäftsstellen. Aus der als GbR gegründeten Gesellschaft wird eine OHG, später eine GmbH.

Partner der ersten Stunde fragen sich, weshalb sie ihre Erträge mit Lautenschläger und Marschollek teilen sollen und spalten sich ab. In Düsseldorf geht den beiden Firmengründern nach und nach fast eine ganze Filiale von der Fahne. Selbst der “dritte Mann”, inoffiziell das “P” von MLP, desertiert. Lautenschläger trägt die Konflikte vor Gericht über mehrere Instanzen aus. Jahrzehnte später werden Prozesse gegen ehemalige MLPler ganze Anwaltskanzleien auf Jahre hinweg beschäftigen.

Anders als im Endlos-Pyramidensystem organisierte Strukturvertriebe formiert sich MLP zu einem Unternehmen mit nur dreigliedriger Unternehmenshierarchie: die Geschäftsleitung in Heidelberg, die Geschäftsstellenleiter und darunter die als „MLP-Berater“ bezeichneten Provisionsagenten. Wie in den vergleichbaren Finanzstrukturvertrieben sind auf den beiden unteren Ebenen alle Beteiligten selbstständige Handelsvertreter, jedoch faktisch gebunden an MLP.

Diese auf dem Papier als Einzelunternehmer firmierenden Agenten sparen Lautenschläger die Kosten für Arbeitslohn, Sozialversicherung, Betriebsräte und Arbeitskämpfe, Produkt-Werbung, den Großteil des Arbeitsmaterials usw. MLP-Agenten werden mit Provisionen für vermittelte Vertragsabschlüsse bezahlt. Nur Angestellte in der Zentrale und Sekretärinnen in Geschäftsstellen etc. gelangen ins Angestelltenverhältnis, wobei das wirtschaftliche Risiko zum Teil auf die jeweiligen Geschäftsstellenleiter abgewälzt wird. Im Jahr 2000 wird es die Firma auf über 300 solcher Geschäftsstellen bringen.

Geschäftsstellenleiter rekrutiert MLP aus den eigenen Handelsvertretern, die sich durch hohe Provisionsumsätze auszeichnen. Obwohl der Vertrieb von Standardprodukten eine triviale Tätigkeit ist, für die man nicht einmal einen Schulabschluss benötigt, bevorzugt MLP promoviertes Personal, was der Zielgruppe schmeichelt – ein Glanz, der Lautenschläger selbst fehlt.

Lautenschläger und Marschollek kehren 1978 bei einem gemeinsamen Winterurlaub in Tirol abends ein und sprechen dem Alkohol zu. Nach Lautenschlägers Darstellung unternehmen die angetrunkenen Geschäftspartner eine nächtliche Schlittenfahrt, bei welcher der stark übergewichtige Marschollek aus einer Kurve gerät und einen Unfall erleidet, dessen Folgen er schließlich erliegt. Lautenschläger führt das Unternehmen nun alleine weiter und wird Multimillionär.

1980 erkrankt Lautenschläger schwer an Krebs, überlebt jedoch entgegen ärztlicher Erwartung und kann beinahe vollständig genesen. Zwar muss der Genussmensch fortan kürzer treten, meistert jedoch beeindruckende sportliche Herausforderungen. Lautenschlägers Verbundenheit mit dem Sport wird er mit seiner persönlichen PR verbinden.

Wann immer sich die Gelegenheit bietet, doziert Lautenschläger, MLP sei kein Strukturvertrieb - ein Geschäftsmodell, für das er öffentlich Verachtung empfindet.

Ein seriöses Unternehmen, welches an Ihrer Mitarbeit ehrlich interessiert ist, bezahlt Sie für Ihre Arbeit und lässt Sie nicht teuer bezahlen für leere Versprechungen!

Landeskriminalamt Berlin über Strukturvertriebe

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