Give me Fieber!

Musikvorschlag: The Doors - Light my fire!

Manfred Lautenschläger, Jahrgang 1939, erwirbt sich während seiner Kindheit im Nachkriegs-Karlsruhe in gewaltsamen Bandenkriegen eine Kämpfernatur. Dementsprechend meldet er sich freiwillig zur Bundeswehr, wo er sich jedoch nicht mit der militärischen Hierarchie arrangieren kann. Nach zahlreichen Disziplinarverfahren sowie einem persönlichen Brief an Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, in dem er die Bundeswehr als “Bauernfängerei” bezeichnet, wird er schließlich vorzeitig entlassen.

In Heidelberg genießt er ab 1959 ein lustiges Studentenleben, engagiert sich schockiert von der Spiegelaffäre politisch links und meistert sein Juraexamen nach eigenen Worten “cum acho kracho”.

Ab 1964 absolviert Lautenschläger sein Referendariat, unter anderem in der Kanzlei des damaligen Wirtschaftsrechtlers, späteren RAF-Terroristen und NPD-Anwalts Horst Mahler, wo er die Verteidigung von APO-Aktivisten vorbereitet, die sich an Sitzstreiks vor dem US Headquarter beteiligt haben. Lautenschläger erlebt von Anfang an die Studentenbewegung, besucht die Reden von Rudi Dutschke und Fritz Teufel. 1968 will Lautenschläger an einem Marsch auf ein Axel Springer-Druckhaus in Esslingen teilgenommen zu haben, um das Erscheinen der BILD-Zeitung in Baden-Württemberg zu verhindern. Später wird sich seine Firma ausgerechnet der Kanzlei von Axel Cäsar Springers persönlicher Justiziarin bedienen, um unbequeme Kritiker mundtot zu machen.

Der heutige Ehrensenator der Universität Heidelberg schildert in seinen Memoiren unverblümt seinen Hang zu Manipulation: Um einen für ihn wegen Karnevals ungünstigen Prüfungstermin für sein Anwaltsexamen um ein halbes Jahr herauszuzögern, missbraucht er das Medikament “Billifer 1″, das künstliches Fieber herbeiführt. Später wird ihm ähnliches mit Aktienfieber gelingen.

Lautenschläger selbst inszeniert sich in seinen Memoiren als „Linker“ und kokettiert damit, bei einer Tour durch Berlin persönlich viele Linksanwälte versichert zu haben, darunter die Anwälte der Baader-Meinhoff-Gruppe. Statt den Idealen des Studenten Lautenschläger macht sich der Kaufmann Lautenschläger jedoch andere Motive zu seinen Maximen: Profitgier und Geltungssucht. Eines Tages wird sich der einstige Anti-Vietnamkriegs-Demonstrant Lautenschläger den höchsten Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg anheften lassen - von CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel, der dem rechtskonservativen Studienzentrum Weikersheim nahe steht.

Printquellen: Lautenschläger/Török: Mythos MLP (1996)

Eine Reaktion zu “Give me Fieber!”

  1. Watchblog zur MLP AG » Blog Archiv » Manne, the charming cheat!

    […] Manne wanted to delay passing his examn the clever student took “Bilifer 1” to fake an illness. Manne had doped […]